Die sind nicht aus Aachen.

Samstag war’s mal wieder soweit. Konzertzeit für Annika und mich und diesmal sogar mal in Aachen. Ein paar Wochen vorher hatten wir festgestellt, dass Love A und Matula zusammen im Musikbunker spielen und haben entschieden, dass wir da auf jeden Fall hingehen müssten.

Gesagt, getan. Nur leider war unser Freitagabend keine gute Voraussetzung, um einen kompletten Samstag in Aachen zu überstehen. Es ging also eher so von Starbucks ins Extrablatt. Zwischendurch dann noch eine Melone gekauft bei H&M – also der Hut – und dann ging’s auch schon ab Richtung Frankenberger Viertel. Pünktlich dazu hat es auch angefangen zu regnen, perfekt also.

Ich muss gestehen, dass ich mit der gesamten Organisation nicht so zufrieden war. Die Karten für dieses Konzert konnte man nicht wie üblich in diversen Geschäften in Aachen kaufen sondern nur über den Love A-Shop. Da stand wohl irgendwie, dass die nicht geschickt werden, sondern erst beim Einlass ausgegeben werden. Hat mir ein „netter“ Mitarbeiter auf seine sehr „charmante“ Art und Weise am Telefon erklärt (O-Ton: „Ich würde dir empfehlen, dass du mal einen Lesekurs machst.“).

Annika meint, ich soll das nett verpacken. Ich hab’s versucht.

Wie auch immer. Am Bunker angekommen ist uns ziemlich schnell klargekommen, dass es nicht pünktlich anfangen wird, aber was erwartet man auch?

Als es aber dann schlussendlich mit Koeter losging war es gut. Besser, als ich erwartet habe vielleicht sogar. Ich kannte die Band vorher überhaupt nicht und hab irgendwie gar nicht mit so einem Gute-Laune-Punk gerechnet, wie er uns dann gezeigt wurde. War sogar kurz davor, mir eine Platte zu gönnen, hab dann aber doch lieber auf meinen Geldbeutel geachtet. So konnte ich wenigstens noch ein sündhaft teures Desperados trinken.

Nach einer ungewohnt kurzen Pause ging es auch schon mit Matula weiter, die schon im Vorfeld mein Highlight des Abends waren. Die Band macht sich ja gefühlt sehr rar und meine Hoffnung, dass sie Platten dabei haben würden, wurden leider enttäuscht (O-Ton: „Die pressen ja nur 100 Platten.“).

Auf der Bühne haben sie mir aber sehr gut gefallen. Ich hatte anfangs erwartet, dass es vielleicht sehr chaotisch sein würde, da man die Lyrics ja teilweise auf den aufgenommenen Liedern nicht so gut verstehen kann. Außerdem muss ich gestehen, dass ich nur drei Lieder so richtig kannte, also mitsingen konnte. Aber das war gar kein Problem. Hat alles super gefallen und war aus meinem Gefühl heraus sehr kurz.

Zum Schluss haben dann die „Headliner“ Love A gespielt. Da wir aber ziemlich durch waren, wollten wir das ganze nur mal antesten und tatsächlich wurde unser beider Lieblingssong „Ramones“ auch als erstes gespielt, bevor wir uns auf den ziemlich abenteuerlichen Heimweg machten. Im Endeffekt habe ich gehört, dass der Love A Auftritt nicht so fantastisch gewesen sein soll, da es ein bisschen technische Probleme gegeben hat, aber da möchte ich auch nicht mehr zu sagen, weil wir wie gesagt nicht mehr dabei waren.

Meiner Meinung nach hat sich das aber echt gelohnt, da ich den Bunker als Location ganz fantastisch finde. Und die Schlachthaus-Vorhänge sind endlich weg!

Außerdem bot sich so die Möglichkeit, der Annika, dem Stadtkind, mal mein Dörfchen zu zeigen.

Verrückt war das.

Es grüßt,

die Nicole.

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Hinterland.

Die beiden vorab Singles „Im Ascheregen“ und „Hinterland“ haben es ja schon mehr als deutlich angekündigt: Es kommt etwas instrumental und textlich Großes auf uns zu. Etwas ganz anderes als „XOXO“ und deshalb schon vorab: Meiner Meinung nach kann man die beiden Alben kaum bis gar nicht vergleichen und man sollte es auch einfach nicht probieren. Punkt.

Aber jetzt auf Anfang: Wir haben den 27.09 und endlich liegt die erste Platte der Doppel Vinyl auf meinem Plattenteller.

Mit einem breiten Lächeln lausche ich dem Intro von „Im Ascheregen“ und lasse mich mit diesem und dem nachfolgenden „Hinterland“ erst einmal davon tragen. Freue mich daran, diese beiden Lieder endlich auf Platte zu hören.
„Im Ascheregen“ gibt gleich ein Statement auf, welches wohl treffender nicht sein könnte „Dies ist kein Abschied, denn ich war nie willkommen“. Vor allem, weil dieses Lied ein Vorbote für alles kommende ist. Für mich jetzt schon eine Mischung aus Rap und Gesang, obwohl hier der Sprechgesang noch überwiegt, aber auch musikalisch ist es ein Vorbote für alles was auf diesem Album zum Einsatz kommt. Das beinahe 2 Minuten lange Intro in welchem neben Gitarre auch Glockenspiele zum Einsatz kommen.
„Hinterland“ bricht dann denn Damm komplett ein. Eingeleitet von Hintergrundchören Akkusiktgitarre und Schellenkranz und weitergeführt, sowie abgeschlossen mit einem singenden Casper wird dieses zweite titelgebende Lied etwas das man vorher noch nie von ihm gehört hat.

Erwartungsvoll starre ich auf den Plattenteller und das Intro von Lied Nummer 3 („Alles endet (Aber nie die Musik)“) beginnt. Viel Liebe vorab gleich für dieses Intro und den singenden Casper, welcher mich erst einmal lachen ließ, weil ich mich so sehr über dieses Lied, diese Neuheit freue. Dieses erste unbekannte Lied hat mich aber direkt mit der ersten Strophe bekommen und der Einstieg in die gesamte Platte ist direkt geglückt. Der Gesang im Refrain tut dann sein übriges. Perfecto.

Mit „Nach der Demo ging’s bergab“ kommt ein Song daher, der mehr als nur ein Zitat für uns bereit hält, welches uns an andere Musik denken lässt. Von Element of crime „Du sangst die ganze Zeit von ihm, ich sang die ganze Zeit nur von dir“, über Ton Steine Scherben oder für mich ein grob ins deutsche gebasteltes Kreator Zitat „Mach kaputt, was dich kaputt macht“ und beabsichtigt oder unbeabsichtigt Wir sind Helden („Die haben uns ein Denkmal gebaut“). Wen man ganz krass verstört ist und das bin ich kann man aus „Paparazi“ und „Feuerwerk“ noch Lady Gaga und Katy Perry rausholen.
Denn ist es nicht wirklich so das wir teilweise mit der Musik übersättigt sind? Das es immer wieder neues gibt, dass uns in seinen Bann schlägt und sei es nur für einen einzigen Song, bevor es erst einmal wieder in Vergessenheit gerät.
Aber dieses Lied ist nicht das einzige, welches mit Brücken zu anderen Liedern aufwartet, denn auch in „Alles endet“ finden wir schon ein Turbostaatzitat und in „Ariel“ und „Endlich angekommen“ dann Oasis („Champagne Supernova“, „Don’t look back in anger“). Ganz abgesehen von Slime in „Im Ascheregen“.
Ich glaube wenn ich mehr Ahnung von Musik hätte, würde sich noch viel mehr finden lassen, aber was ich eigentlich sagen will ist, dass ich das ganz und gar nicht schlecht finde, viel mehr sehr gut.

Wenig Worte, weil ein sehr gutes Lied verliere ich zu „20 qm“. Dieses Uh Oh im Refrain transportiert so viele Emotionen wie sonst kaum was und der Text zeigt eine gewisse Offenheit und viele Gefühle. Der Song geht sehr nahe und man kann sich doch in diese Situation hinein versetzen. Vor allem, aber diese negative Darstellung der eigenen Person ist es was ich an diesem Lied sehr mag.

Emotional geht es dann auch mit meinem Highlight weiter „Lux Lisbon“ ein Feature mit dem Sänger der Editors. Die Musik in diesem Song ist sehr minimalistisch gehalten, aber gerade das unterstützt diese sehr unterschiedlichen Sänger. Casper mit der gewohnt kratzigen, aber in diesem Lied beinahe zerbrechlich wirkenden Stimme und dann dazu Tom Smith mit seinem tiefen bassigen vollen Gesang im Refrain. Ich kaufe den Beiden wirklich jedes Wort so ab wie es ist.. Das Lied ist so gefühlvoll gesungen, dass ich wirklich spüren kann wie viel Schmerz dieser Text beinhaltet. Ich weinte und weine jedes Mal. Weinen als gutes Zeichen? Bei mir schon. Es hat mich komplett berührt.

Der Tod als Thematik erinnert wage an „Michael X“ der Vorgängerplatte, aber „Ariel“ ist ganz anders verpackt. Hier ist es nicht nur der Text, sondern viel mehr die Kombination, die Symbiose aus Musik und den Texten, welche mich mitnimmt. Wie bei „Lux Lisbon“ auch trifft dieser Song einfach mitten ins Herz. Anhören ist hier die Devise, denn zu viele Worte will ich gar nicht verlieren.
Beendet mit einem leicht abgewandelten Oscar Wilde Zitat, welches einfach zu trifft: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“

„Ganz schön okay“ ist ein Lied über die einfachen Situationen im Leben, die aber die größten sein können. Das Feature mit Kraftklub ist an dieser Stelle sehr gelungen und in diesem Lied wird im Vergleich mit Felix sehr bewusst wie wenig Casper in den restlichen Songs rappt, denn hier haben wir einen von 3 bis 4 Songs („Im Ascheregen“, „Ganz schön okay“, „Jambalaya“ und „Endlich angekommen“) in denen ich sagen würde, dass es mehr gerappt als gesungen ist.

Das folgende „La Rue Morgue“ überzeugt durch die Hintergrunduntermalung und den Refrain, aber ehrlich auch durch die Wahrheit in den Zeilen.

Dreht man auf Seite D erwarten einen die letzten beiden Songs, welche es noch einmal wirklich in sich haben.
Auf der einen Seite „Jambalaya“ indem es in etwa heißt: Er kann tun und lassen was er will und das kann er. Er kann ein Album machen, welches nicht im entferntesten an Hip Hop erinnert und auf diesem eben diesen „beinahe“ Hip Hop Song veröffentlichen um mit all den Kopien „abzurechnen“. Mit Trompeten und Mädchenchören im Hintergrund und ohne einen richtigen „Beat“ und das schönste: auch das funktioniert.

Nach dieser sagen wir mal „Abrechnung“ folgt „Endlich angekommen“ als (vorläufiges) Ende der Geschichte. Er ist dort angekommen wo er hingehört, aber gleichzeitig ist einige an ihm vorbei geflogen, kann man das jemandem glauben, der so viel erreicht hat? Ja, das kann man. Es ist nachvollziehbar.
Was mir besonders gefallen hat: die Erwähnung einiger alter Lieder.
Für mich ein gelungener Abschluss, aber noch lange nicht das Ende der Geschichte Casper. Ich glaube es erwartet uns noch viel mehr.

Was noch nicht gesagt ist, aber gesagt werden muss:
Musik spielt auf diesem Album eine viel größere Rolle und man weiß eigentlich gar nicht so genau wo man anfangen soll mit dem raushören, denn die Masse an Instrumenten ist wirklich unglaublich, aber trotzdem immer Punkt genau eingesetzt. Keines der Lieder wirkt überladen oder fehl am Platz. Die Musik ist perfekt ausgereift und das Album nicht mehr ein Werk des Rappers Casper, sondern ein Album einer Band, die im Laufe der Zeit zusammen gewachsen ist. Wie Casper es selbst immer so schön sagt „Wir waren Casper.“.

Hinterland erzählt uns eine Geschichte. Über die kleinen und die großen Dinge im Leben. Mit großen und mit kleinen Worten. Eine persönliche ehrliche Geschichte.

„Und alles ist gut. Anders, aber gut anders.“ („Ariel“)

Annika

Plattenrock. The Black Forest Cherry Cakes.

Während aber tausende am Samstag zur Gamescom geströmt sind, sind Nicole und ich nach Duisburg gefahren, denn da war was tausend Mal besseres. Das Plattenrock direkt vorm HBF und damit eine wunderbare Band aus Duisburg, The Black Forest Cherry Cakes, und genau über die möchte ich jetzt für euch ein paar Worte verlieren. Übrigens ist das gerade was ganz besonders, da unsere liebe Michelle Gitarristin jener Band ist.

Angefangen hat das Ganze ja erst einmal damit, dass Nicole und ich wieder 500 Jahre zu früh da waren, aber dafür konnten wir der lieben Michelle gleich noch zum Geburtstag gratulieren, bevor wir uns etwa ne Stunde mit Platten angucken beschäftigt haben und mal wieder neue Musik entdeckten.

Um 16 Uhr sollten dann eigentlich die Cherry Cakes schon auf der Bühne stehen, aber es kam zu ein paar Verzögerungen und dementsprechend war es schon ein bisschen später. Leider hat es dann auch noch angefangen zu regnen, aber ich muss sagen dafür waren noch ziemlich viele Leute da. Mehr als auf unserem ersten Supermutant Konzert.

Die meisten zwar in sicherer Entfernung zur Bühne, aber die Musik konnte man ja doch noch hören und die Musik ist einfach super.

Die Mädels machen eine Mischung aus Pop und Rock, wobei ich finde, dass die Pop Seite ein wenig überwiegt, aber das finde ich ja gar nicht so schlecht, weil es nicht so die typische Mädchen-Pop-Sache ist.

Nicole war regelrecht überrascht, da sie irgendwie etwas anderes erwartet hatte.

Die 5 Musikerinnen harmonieren einfach sehr gut miteinander, aber allein durch die Stimme ihrer Sängerin und ihre Drummerin sind sie etwas ganz besonderes. Nicht das die anderen 3 untalentiert wären, aber die 2 sind wirklich schon unheimliche Spitze. Es ist einfach eine irrsinnige Dynamik in der ganzen Musik.

So viel Power in einer Stimme. Was ich alles dafür geben würde. Einfach unglaublich.

Das sie mit 2 Gitarristinnen spielen ist auch ein absoluter Glücksgriff. Ich kenn die Cherry Cakes leider nicht ohne Michelle und kann deshalb gar nicht sagen wie sie nur mit einer Gitarre waren, aber wahrscheinlich ebenso gut. Ich weiß gar nicht genau wie ich das sagen soll, aber mit 2 Gitarren hat man doch als Band einfach viel mehr Möglichkeiten.

Natürlich sind mir direkt wieder beinahe alle Titel entfallen, aber vor allem der Akkustik Song hat mich total überzeugt. Übrigens heißt der „The Battle“.

Das Lied gibt es sogar mit Impressionen vom ganzen Tag schon als Video:

Was ich bemerkenswert finde ist, dass die 5 am Abend vorher noch einen Song geschrieben haben mit einem wirklich super Gitarrensolo von Michelle, welchen sie dann direkt am Samstag gespielt haben. Das soll ihnen mal jemand nachmachen.

Nachdem Konzert habe ich mir dann auch direkt mal die EP gegönnt und ich wünsche den Mädels einfach nur alles erdenklich Gute und das sie es wirklich noch ganz weit schaffen. Das haben sie einfach verdient und nicht nur, weil meine Lieblings-Michelle bei ihnen spielt. Pop-Rock so anders zu machen als man es erwartet und einfach so viel Talent und Sympathie auf einem Fleck zu vereinen.

I don’t know what I should say. Ich hab gerade echt ein bisschen Angst, dass ich dem nicht gerecht werde oder irgendjemand sich benachteiligt fühlen könnte oder so. Verrückt und so weiter, aber meine Güte. Ich schreib nicht jeden Tag über die Band einer Freundin.

Schaut euch doch mal die Facebook-Seite an und hört euch die Lieder an.

http://www.facebook.com/theblackforestcherrycakes

Annika

 

 

Stadt der Angst. Ein Monster einer Rezension.

Das fünfte Album der Band „Turbostaat“ gestaltet sich überraschend anders, besonders nach dem eher rauen Album „Das Island Manøver“(2010). Man könnte behaupten, dass alles ein bisschen glatt gebügelt wurde, aber so einfach ist es wohl doch nicht. Der Sound klingt einfach ein bisschen erwachsener und reifer, aber hat keineswegs an Heftigkeit verloren. Vor allem die Texte sind immer noch irgendwie kryptisch auf ihre Art und Weise. Sie können alles und nichts bedeuten, für jeden etwas anderes und scheinen doch so persönlich und emotional vorgetragen zu sein. Auch der Gesang ist vielleicht etwas melodiöser geworden aber alles findet sich gut zusammen ein.

Das könnte vor allem daran liegen, dass „Stadt der Angst“ nicht wie die Vorgänger bei Cargo Records, sondern bei Turbostaats neuem Label Clouds Hill erschienen ist. Aber woran es auch liegen mag, auf dieser Platte lässt sich im Vergleich zu „Das Island Manøver“ doch eine Entwicklung – in die richtige Richtung – erkennen.

Eine Stadt gibt auf

Der erste Song der Platte kommt mit einem einminütigen und sehr rhythmischen Intro daher, das einem gleich in Turbostaats „neue“ Art einführt. Der Song ist ungewohnt langsam, wenn man an die vier vorherigen Alben denkt und auch der Gesang passt sich dem rhythmischen Wechsel von Gitarre und Schlagzeug an.

Thematisch gesehen nimmt der Song auch gleich Bezug auf den Albumtitel. Soweit man es so behaupten kann, geht es um eine Stadt im – negativen – Wandel, ganz passend zum Albumtitel „Stadt der Angst“. Genau dieses Gefühl der Angst und der Unsicherheit wird auch vermittelt, sowohl über den Gesang, als auch über die Musik.

Phobos Grunt

Der zweite Song kommt schon wieder ein bisschen mehr so herüber, wie man es von Turbostaat vielleicht gewohnt ist. Beginnen tut der Song mit einem kurzen Glockenspiel und zumindest mir vermittelt das irgendwie etwas kindliches oder unschuldiges.

Genau das unterstützt in meinen Augen auch der Text, der gefühlsmäßig davon berichtet, irgendwie losgelöst oder besser haltlos zu sein und in eine eher ungewisse Zukunft zu blicken.

Meiner Meinung nach passt auch das wieder gut in die Thematik „Stadt der Angst“ und mir erscheint es ganz so, als wäre der in „Phobos Grunt“ besungene Protagonist einer aus „Die Stadt gibt auf“.

Viel interpretiert, aber dafür liebe ich Turbostaat.

Tut es doch weh

Tut es doch weh“ war die erste, vorab veröffentlichte Single aus dem fünften Album. Sie erschien am 28.03. diesen Jahres, also gut eine Woche vor dem Album. Ich muss zugeben, dass dieses Lied das erste war, das mir irgendwie im Kopf geblieben ist und das ich auch immer und immer wieder hören musste. Es passt nicht ganz in das Konzept der Stadt, das ich schon einmal so schön beschrieben habe, aber ich finde, dass „Tut es doch weh“ ein richtiger „Mutmacher-Song“ ist.

Der Song beschreibt schlicht und einfach, dass man auch einmal den Mut beweisen muss, anders zu denken und sich nicht allen Normen und Regeln anzupassen. Dass man sich einfach von den Dingen befreien muss, die einen von irgendwelchen Dingen abhalten, beschreibt der Song gut mit den Worten „Doch es tut gar nicht weh und dann geht auch die Angst“.

Psychoreal

Song Nummer 4 kommt mit einem filmreifen Intro daher, dass ich mir wirklich auch sehr gut zu einem Horrorfilm vorstellen kann. Erinnert mich aber auch vage an Bela Bs „Vampir mit dem Colt“, was ein ähnliches Intro vorzuweisen hat. Aber das ist ja ein ganz anderes paar Schuhe.

Das Lied beschreibt sehr schnell, rau und heftig die sogenannte „Kleinstadtidylle“. Also das Leben mit wenig Veränderungen und den vielen Dingen die einfach hinter der Fassade und für andere unbemerkbar passieren. Passend dazu vermittelt ein Gitarrensolo das Gefühl von Wut und irgendwie aufgewühlt sein.

Der Song steht im Kontrast zu seinem Vorgänger, der ja eben dazu aufruft, sich aus diesen Fesseln zu befreien und sich nicht mit der eigenen Unzufriedenheit abzufinden.

Sohnemann Heinz

Der fünfte Song beschreibt einen Protagonisten, der sehr hohe Erwartungen an sich und seine Umwelt stellt und dadurch wohl auch Probleme hat, die er eigentlich nicht haben müsste. Sein Leben setzt sich zusammen aus Dingen, die nur aus Prestigegründen gemacht werden oder zumindest so vorgelogen werden. Ehrgeizig will er immer weiter und höher hinaus, „weiter als der Sieg“, wie es im Outro so schön heißt. Der Song lässt dabei, in Turbostaat-Manier“, offen, ob das gut oder schlecht ist.

Fresendelf

Mit 6 Minuten ist „Fresendelf“ auch der längste auf diesem Album. Alle anderen Songs liegen bei einer durchschnittlichen Länge von unter 4 Minuten, was ich auch vollkommen in Ordnung finde. Dieser eine Ausreißer hat seine Länge wohl wieder einem etwa einminütigen, instrumentalen Intro zu verdanken. Der Song lässt durch seinen Refrain und besonders die Worte „denn er liegt ja sowieso hier“ darauf schließen, dass der besungene Protagonist kein Mensch in dem Sinne, sondern eher ein Gegenstand aus der Natur, etwas bleibendes ist.

Alles bleibt konfus

Die Gitarre spielt zu Beginn von „Alles bleibt konfus“ eher monoton und unterstützt das beschriebene Warten des Protagonisten, der einfach eine alltägliche Szenerie auf einer Straße beobachtet. Er zeigt Unverständnis, „und er sich konzentriert, alles bleibt so einfach konfus für ihn“ und womöglich Paranoia, „jedes Starren wird verdächtigt“.

Snervt

Dieser Song berichtet, ebenfalls zur gesamten Albumthematik passend, von den ganz persönlichen Träumen und wie diese von Zeit zu Zeit, oder meistens sogar, einfach unbeachtet und vergessen im Sand verlaufen. Der Refrain verdeutlicht dann sehr laut und somit auch sehr emotional, wie einem irgendwann bewusst wird, dass es einfach zu spät ist, um diese Träume wieder aufleben zu lassen. Somit verliert das eigene Leben wohl an Sinn, „Manche nannten es das Ende und es fühlt sich auch so an“.

Pestperle

Der neunte Song beginnt sehr bedächtig und leise, nur mit Schlagzeug und Gitarre, bevor er sehr plötzlich an Lautstärke zulegt. Passend zur textlichen Thematik lässt sich das möglicherweise wie ein hereinbrechender Sturm deuten. Lyrisch gesehen handelt das Lied vom Gewissen, dass als erstes über Bord geworfen wird. Auch hier lässt sich wieder die Verbindung zur Albumthematik sehen, da diese Gewissenlosigkeit eben mit einer Reise in Verbindung gebracht wird.

In Dunkelhaft

In Dunkelhaft“ beschreibt das Gefühl einer Gesellschaft, mit Geld alles erreichen zu können an dem Beispiel einer einzelnen Person. Diese scheint von Freunden verlassen zu sein, da man menschliche Bindungen und Beziehungen mit Geld nicht aufrecht erhalten kann, sondern sie damit eher zerstört. Damit schneiden Turbostaat auf ihrem Album im Großen und Ganzen sehr aktuelle und auch wichtige Themen an, ohne dabei aber eine Meinung aufzuzwingen. Die Texte geben eher subtil Rückschlüsse auf irgendeine Meinung.

Willenshalt

Dieser elfte Song ist mit 2:09 der kürzeste auf dem regulären Album vertretene Song (auf die 3 Bonus Songs möchte ich hier nicht eingehen). Er besitzt eine sehr eingängige Gitarrenmelodie, die mir auch gleich gut gefallen hat.

Der Song beschreibt einmal mehr die Tatsache, dass sich die eigenen Träume und Vorstellungen nur dadurch verwirklichen lassen, dass man die Verwirklichung auch selbst in die Hände nimmt. „Die Autos eurer Töchter sind Streusalz in den Wunden“ beschreibt meiner Meinung nach wieder einmal eine gewisse Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben.

Sohnemann Zwei

Der letzte Song auf „Stadt der Angst“ kommt nur mit einer Art Sprechgesang aus, der diesmal eine Art Zwiegespräch mit sich selbst beschreibt. Es geht um einen inneren Kampf, der zum Schluss noch einmal aufbrandet. Das Album endet mit einer meiner Lieblingszeilen: „Der Krieg ist nie vorbei, solange er sich lohnt“

Lange Rede, kurzer Sinn: Beim ersten Hören klingt das aktuelle Turbostaat Album vielleicht anders oder neu, aber ich finde, dass sich dieses Werk gut in die Reihe der Vorgängeralben einreihen kann.

Nicole.

Chimperator Stuff.

Der ein oder andere kennt das Stuttgarter Independent-Label Chimperator vielleicht. Vor allem seit Cro. Aber darauf möchte ich jetzt gar nicht so sehr eingehen, da es auf dem Label meiner Meinung nach noch viel bessere Hip-Hop Acts gibt, als Cro.

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Ich will auch gar nicht so sehr mit irgendwelchen Daten nerven. Nur so viel: Chimperator existiert seit 1999, aber ich bin selbst erst in diesem Jahr darauf aufmerksam geworden.

Daran sind vielleicht auch ein bisschen die Orsons Schuld. Die 4 Rapper sind sowohl solo, als auch als Band auf diesem Label unter Vertrag.

Vor allem das aktuelle Album „Das Chaos und die Ordnung“ ist meiner Meinung nach sowas von hörenswert, dass ich gleich in den Plattenladen meiner Wahl fahren werde und das da hoffentlich kaufen werde (Anm. d. A.: Ist leider nichts drauß geworden.). Annika hat ja bereits im HORST-Bericht zu Freitag erwähnt, dass sie live absolut überzeugend sind und diese Meinung teile ich ebenfalls. Es gibt ruhige Lieder, aber auch richtige „Rap-Songs“.

Vier Rapper, die sich keineswegs zu Ernst nehmen und sich musikalisch deutlich hörbar ergänzen. Jeder der Vier veröffentlicht weiterhin auch solo Musik, die sich meiner Meinung nach auch sehr von den Orsons unterscheidet.

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Einer meiner Favoriten ist dabei die Manx EP von Maeckes und das Lied „Niemandsland“ das in Zusammenarbeit mit einem weiteren Orson, Tua, entstanden ist.

Ein weiterer Rapper des Stuttgarter Labels ist Muso, der gerade dieses Jahr sein erstes Album „Straciatella Now“ veröffentlicht hat. Ich durfte leider erst letztes Jahr feststellen, dass Indie und Rap doch sehr gut miteinander harmoniert und das zeigt Muso dabei auch ganz deutlich. Gute Texte, die weiter gehen, als vieles, was im Moment so zu hören ist. Die Single „Blinder Passagier“ ist dabei einer meiner Lieblinge und läuft auf mein iPod im Moment ununterbrochen. Jeder kennt das Gefühl, dass der Rapper in seinem Text und mit der Musik herüberbringt.

Die Band SAM setzt sich aus zwei Brüdern zusammen. Über diese kann ich eigentlich nicht allzu viel sagen, außer, dass sie mir bei einem ersten Reinhören auch ganz gut gefallen. Die Musik ist ein bisschen „beatlastiger“ als die beiden Vorgänger und erinnert mich doch ein bisschen an Cro und seine Gute-Laune-Musik. Passenderweise tourte Sam bereits mit Cro. Textlich gefällt mir SAM aber doch mehr ..

Mit Weekend hab ich ein ähnliches Problem, wie mit SAM. Ich hab gerade erst reingehört. Aber da der erste Eindruck ja auch wichtig ist, ist das ja gar nicht so schlimm. Mit der Single „Schatz, du Arschloch“ vom bald erscheinenden Album „Am Wochenende Rapper“ zeigt Weekend viel Ironie und Sarkasmus in seinem Text.

Ähnlich zeigt sich auch der Text zu „Hi Chimperator“

Als letzter Rapper ist Kodimey zu erwähnen. Hier beschränke ich mich ausnahmsweise auf einen Song und lasse mein sinnloses Gelaber.

Einzig und alleine die Band „Heisskalt“ aus Stuttgart tanzt auf diesem Label ein bisschen aus der Reihe, denn da ist wirklich keine Spur von Rap oder Hip Hop zu hören. Stattdessen bieten sie soliden „Rock mit Popappeal“. Bisher veröffentlichten sie die EP „Mit Liebe gebraut“ von der ich euch unbedingt „Hallo“ an Herz legen möchte.

Auf Chimperator sind weiterhin noch das Produzenten-Duo „BeatEm’Up“, Teesy und natürlich, der wahrscheinlich kommerziell größte Erfolg des Labels, Cro vertreten.

Allerdings reizen mich die wirklichen Independent-Acts viel mehr und durch diesen Beitrag musste ich auch selbst feststellen, dass Weekend und SAM auf jeden Fall noch einmal gehört werden müssen.

Das Label und vor allem dessen Künstler lassen sich, denke ich sehr gut durch eine Zeile aus SAM’s „Liebe zur Musik“ beschreiben: „Bin Skinny Jeans Rapper, dock kein Rapper mit Bling, Bling.“

Damit möchte ich meinen Beitrag an dieser Stelle auch beenden, indem ich sage, dass ich nie gedacht hätte, dass ich einmal soviel Rap hören würde. Freiwillig.

Nicole.

Horst Festival – Der Samstag.

Nachdem ich euch also schon den Freitag nahe gebracht habe, folgt heute der Samstag und ja, ich bin hier wohl die Konzertberichtebeauftragte.

Übrigens gestaltet sich das Tippen dieses Berichts gerade komplizierter als gedacht, da ich alle paar Sekunden lachen muss. Die Tage habe ich nämlich mit der Michelle unsere Suchbegriffe durchgesehen und wir haben wirklich Tränen gelacht. Unter anderem gibt es so schöne Sachen wie „Nora gerotzt“ oder „Trink ne Coke mit Nico“. Dadurch entwickelte sich auch ein sehr skuriller Plan jeden Satz mit „Und der Michbeck von Casper war auch da“ anzufangen, aber dazu einfach mal ein bisschen später mehr.

Zunächst mal wieder zurück zum Anfang. Das wir am Samstag als vereinte Phonographie Mannschaft antreten würden, war ja im Grunde sofort klar als es hieß, dass Supermutant auf dem Horst spielen. Seit Anfang des Jahres sind wir schließlich begeisterte live Fans und Michelle und ich sind uns sicher, dass sie einen großen Teil zur Innigkeit unserer Freundschaft beigetragen haben. Aber das geht ja im Grunde niemanden was an. Schluss aus. Horst Samstag.

Ähm, ja … Horst Samstag … als erstes haben wir uns wieder einmal ganz entspannt die December Peals angesehen. Haben mir, wenn ich mich recht erinnere, ganz gut gefallen und haben es geschafft, den Teil vom Publikum, welcher schon da war zu motivieren. Insgesamt muss ich ja gestehen, dass es an keinem der beiden Tage wirklich voll gewesen ist oder es hat wohl nicht so auf mich gewirkt.

Wenig später waren dann auch schon die Supermutanten auf der Bühne. Mit Bierbechern in der Hand suchten wir uns ein paar hübsche Plätze und ich war ja echt froh, nicht in dieser langweiligen ersten Reihe gestanden zu haben. Wie kann man denn so unbegeistert sein von so einer tollen Band? Ich gebe zu, sie hatten nur eine halbe Stunde und wenn anfangs nicht alle 30 Sekunden was am Sound hätte geändert werden müssen, hätte man ja doch noch den gestrichenen Song spielen können. Ich will jetzt auch mal über den Sound meckern: Ich finde ja, Davids Gitarre war viel zu leise. Das erste Mal gab es also kein Over the Top Cover, aber es hat mir wirklich nicht so sehr gefehlt. Supermutant lohnen sich wie immer. Live sind sie einfach ganz große Klasse und dieses Gefühl, dass man hat, wenn „Von hier oben sieht die Stadt noch viel, viel kleiner aus“ kommt. Ich liebe diese Band. Dieses Lied. Diese Gefühle. Nennt mich Fangirl, aber ich trauere der Tatsache hinter her, dass momentan kein Konzert mehr ansteht.

Von den Supermutanten wurden uns dann noch Captain Planet empfohlen, welche auf dem selben Label wie die Mutanten sind und vor allem Nicole reizten, da sie die Platte der Herren schon zuhause stehen hat und wir sie sowieso hätten sehen wollen. Aber bis dahin war es noch eine ganz schön lange Zeit, welche überbrückt werden wollte.

Wenig später haben wir uns dann wieder auf die Wiese gelegt und uns die nächsten Bands angehört. Darunter auch Django3000. Gekannt haben wir Django3000 zwar nicht, aber im ersten Moment war es gar nicht mal so schlecht und die hatten einen Kontrabass, das ist wirklich immer im ersten Moment ein totales positives Kriterium für eine Band. Ich mochte es, bis einfach jedes Lied gleich klang. Nicht nur musikalisch, sondern auch vom Text, den ich ja nicht verstanden habe. Demenstsprechend hat diese Band schnell angestrengt und vielleich auch ein wenig gelangweilt. Kann mich vielleicht auch mal jemand darüber aufklären, wie der Bandname auszusprechen ist? Das ist wie Lieutnant, Lieutnant. Man weiß nie wie es gemeint oder gedacht ist.

Übrigens haben wir uns auch in die grandiosen Powerpuff Girls einteilen wollen, aber Buttercup wurde mir ja direkt wieder ausgeredet.

Nach einer ganzen Weile auf der besagten Wiese war es dann echt schon Zeit für Captain Planet. Mit einem Smoothie bewaffnet machten wir uns auf den Weg zur Bühne „Da Hinten“. Die Bühne dahinten ist kleiner und liegt komplett im Schatten. Ihr glaubt gar nicht wie gut das tat. Dass wir alle einen Sonnenbrand hatten, haben wir auch erst dort realisiert.

Bevor ich nur noch hirnrissigen Quatsch von mir lasse, möchte ich schnell ein paar Worte zu Captain Planet verlieren. Ich glaube wenn ich sie vorher gehört hätte, hätte ich mehr von ihrem Auftritt mitgenommen, da ich nicht viele der Texte verstanden habe. Auch die 3 Gitarren sind mir noch ein große Rätsel. Musikalisch haben sie sehr roh und nicht so glattgebügelt geklungen. Für mich ein bisschen wie die Supermutant EP von 2008. Hat mir auf jeden Fall soweit ganz gut gefallen.

Jetzt kommen wir auch endlich mal wieder zu einer Festival Anekdote und dem ominösen „Der Michbeck von Casper war auch da“, denn der Michbeck war wirklich da. Rausgefunden haben wir das aber echt nur super zufällig. Nicole winkt mich zu sich herüber. Sie wollte mich nur auf einen Turnbeutel hinweisen. So weit so gut. Ein Sekündchen später sagt sie: „Der sieht schon so bisschen aus wie Michbeck“ oder ähnliches. Noch ein paar Sekunden später dreht sich besagter Turnbeutelbesitzer um und Nicole und ich haben uns angstarrt als wären wir jetzt vollkommen durchgedreht. Der Typ sah nicht nur so aus. Er war es auch. Die nächsten 15 Minuten Captain Planet hat mein Gehirn ständig den Satz „Musiker sind auch nur Menschen“ wiederholt. Michelle war schon wieder leicht amüsiert, da ich ja bei ihr auch nicht so durchdrehe. Schließlich ist sie auch Gitarristin. Naja soweit so gut. Noch war ich ja echt ruhig, aber wenn man dann schon einmal die Chance hat, mag man ja auch ein Autogramm haben. Ratet mal wer die Ehre hatte seine Angst zu überwinden Menschen anzusprechen? Richtig, ich. Ich glaube, das hat irgendetwas in meinem Gehirn ausgelöst, das dafür gesorgt hat, dass ich einfach dauerhaft geredet habe. Viel Quatsch, aber so bin ich halt ne. Ich rede viel, wenn der Tag lang ist.

Die Zitterattacke – ja, ich hab gezittert wie eine Verrückte. Lacht mich ruhig aus – wollte man mir erst gar nicht glauben, da sich Michelle nicht vorstellen konnte, dass jemand so krass zittert. Das Ende von der Geschichte: Der Michbeck vom Casper war aufm Horst. Wir haben Autogramme und ein schlechtes Foto. Ich hatte die schlimmsten Gedankengänge in dem Teil meines Gehirns, welcher alles als peinlich ansieht. Ich glaube ja ein bisschen, dass der Michbeck ein bisschen überfordert/amüsiert/genervt von mir durchgedrehten fangirligem Etwas war, aber ich hoffe einfach er hat es schon vergessen.

Das Highlight war ja sowieo, dass Nicole und ich uns morgens noch darüber unterhalten haben, dass wir niemals Musiker ansprechen würden für ein Foto auf dem wir am Ende total scheiße aussehen. Recht sollten wir behalten. Das Foto ist echt grausam, aber egal. Ich war glücklich. Um die Michelle einmal zu zitieren „Lass den Sommer in dein Herz und erfreue dich an den Dingen, die du erleben und den Menschen, die du treffen darfst. Nur das zählt, alles andere kann dir egal sein.“ Nimm dies du peinlichkeitsgedankenverseuchtes Hirn! Es ist mir nichts mehr peinlich.

Ja ich weiß, wie behindert es ist, dass ich einfach die Hälfte vom Bericht mit diesem Müll verschwende, aber whatever. Vielleicht habt ihr ja jetzt wenigstens was zu lachen, denn das hatten Michelle, Nicole, meine kleine Schwester und ich auch auf jeden Fall.

Während Nicole sich noch schnell eine 7“ kaufte, quasselte sie kurz mit Yann von Supermutant und konnte sich sein Tattoo vom etwas näher ansehen. Natürlich hat sie sich nicht durchgelesen was es war. Wir wissen nur: Es ist wohl eine Thees Uhlmann Zeile. Möchte jetzt die Ungewissheit aufgeklärt haben und genau wissen was es ist. Ich bin einfach so neugierig auf Tattoos.

Kurz danach machten wir uns dann auch schon auf den Weg in Richtung Heimat. Maxim haben wir im vorbeigehen noch so ein bisschen mitbekommen, aber ich war so durch den Wind, dass ich nicht einmal die Typen realisiert habe, die vor meinen Augen rumgeknutscht haben. Die Mad Caddies haben wir dann das zweite Mal in diesem Jahr nicht gesehen, aber vielleicht soll es einfach so sein.

In der Bahn musste ich dann „Im Ascheregen“ hören und Michelle und ich haben gleich eine Live-Performance daraus gemacht. Ganz zur Erheiterung der Mitreisenden, aber ich brauchte das in diesem Moment einfach. Und wenn wir ganz ehrlich sind: Wer kann denn bitte der „1/3 Benzin, „2/3 Heizöl. Augen und Herzen sind Dynamit“ Zeile widerstehen und sie nicht laut mitsingen? Bin übrigens immer noch auf der Such nach willigen Menschen, die mit mir nach Hannover fahren auf meinem Geburtstag. Freiwillige vor.

Auf bald,

Annika

Ps. Wer sich für Freitag interessiert, sollte ein bisschen runter scrollen. Dort gibt es Sonnenblumen werfende Indianer und Geschichten von kaputten Bändchen.

Horst Festival – Der Freitag

Nach ein paar Wochen ohne Konzerte und ein paar Monate ohne für mich hier gerade nennenswerte Veröffentlichungen geht es jetzt Schlag auf Schlag.

Ende diesen Monats kommt das von mir und den anderen beiden Phonographinnen langerwartete 2. Solo-Album von Thees Uhlmann, welches auf den Namen #2 getauft wurde. Kaum 4 Wochen später wird dann das neue Casper Album mit dem klangvollen Titel Hinterland erscheinen aus dem es seit ein paar Tagen schon die erste Single Im Ascheregen zu hören gibt, welche ich persönlich grandios und einfach anders finde.

An der Konzerfront ist vom Horst zu berichten und die Anwesenheit auf dem Olgas Rock zu verkünden. Betrauert wird von uns momentan nur, dass The Pretty Reckless ihr Konzert in Utrecht abgesagt haben für welches Michelle und ich uns schon Karten besorgt hatten.

Worum es jetzt aber eigentlich neben den kleinen Neuigkeiten gehen soll ist das diesjähirge Horst Festival, um genau zu sein erst einmal nur der Freitag.

Das Horst ist dieses Jahr in die 5. Runde gegangen und in die zweite in der es nicht mehr umsonst und draußen ist. Mit 18 Euro für die Wochenendkarte ist es aber durchaus noch zu verkraften auch wenn es wirklich schade ist wie viele einstmals „Umsonst&Draußen“ Festivals mittlerweile Eintritte verlangen und wie viele Festivals abgesagt werden, sollten von Glück reden, dass wir noch einige kleine Festivals haben, welche sich zu besuchen lohnen.

Freitag traf ich also in Gladbach auf Nicole und gemeinsam machten wir uns auf die Suche nach dem Gelände, welche sich im Endeffekt komplizierter darstellte als sie hätte sein müssen, aber wir orientierungslosen Mädels wollten uns halt noch ein bisschen was von Gladbach angucken wenn wir schon einmal da sind.

Der Freitag war für mich einfach eine riesengroße Überraschung, da eigentlich auch nicht geplant war, dass ich am Freitag da bin. Dementsprechend kannte ich keine der Bands wirklich und nur einige wenige vom hören sagen wie Die Orsons, Heisskalt, Sizarr und Captain Disko. Ich gestehe bewusst angesehen haben wir uns nur die Orsons und Sizarr.

Zunächst wollten aber zwei Bändchen gekauft werden, wobei ich meins natürlich direkt beim dran machen zerstört habe, aber zum Glück gibt es ja nette, aber wohl genervt Bändchen Verkäufer, die es wieder zusammen gebastelt haben. Funktionierende Scheren gab es dann dummerweise auch nicht und so lief ich mit langen Bändchen Bändern durch die Gegend, da Bändchen mit Streichholt abbrennen nicht die beste Idee war.

Jetzt aber endlich mal zur Musik oder so halb zur Musik. Am Freitag mieden wir die Bühne „Da Hinten“ komplett, aber vielleicht auch nur, weil wir über 35 Grad hatten und viel bewegen wirklich nicht drin war. Die meisten Bands über haben wir ganz entspannt herumgesessen und Sprudel, mit Mango und Crushed Ice geschlürft, auch Smoothie genannt, während die Musiker auf der Bühne wirklich ziemlich geschwitzt haben müssen.

Heisskalt haben uns dann aber doch ein bisschen näher an die Bühne geholt. Die Musik war irgendwo zwischen deutschpunkig, rockig und hardcorig. Auf jedenfall mochte ich die Texte sehr, sehr gerne und vor allem „Der Mond“. Der Sänger hat mal wieder eine besondere Art zu singen, aber mir gefällt das. Wenn es nicht soo heiß gewesen wäre, wäre es defintiv sehr tanzbar gewesen und wenn mein Rücken nicht die ganze Zeit gemeint hätte weh zu tun. Ich sitze. Er tut weh. Ich stehe. Er tut weh. Super Vorraussetzungen.

Zu Sizarr setzten wir uns dann wieder auf eine Mauer mit einem tollen Ausblick. Ich mag Sizarr ja seit Freitag. Hab ich sofort in mein Herz geschlossen. Das ist alles so entspannt und angenehm zum lauschen. Echt. Ich kann das nicht so gut beschreiben. Englische Texte sanfte musikalische Untermalung. Ich weiß jetzt nicht ob es am abgespeckten, da aus dem Proberaum geklauten Equipment lag, aber doch wirklich entspannende Musik.

Letzte Band des Abend und damit die Headliner des Freitags waren die Orsons. Mit Caipi machten wir uns auf den Weg zur Bühne, da Nicole sie richtig sehen und hören wollte. Die allerbeste Entscheidung, welche wir treffen konnten. Wenn mir jemand vor 1 Jahr gesagt hätte, dass ich mal so sehr auf Hip Hop abfahren würde und vor allem einfach schon beim Intro feststellen würde das ich sie liebe, den hätte ich ausgelacht. Wirklich.

„Das Chaos und die Ordnung“ könnte übrigens auch einfach von den Ärzten stammen. Es ist einfach so genial, aber ich stelle hier keine Vergleiche auf. Geht auch gar nicht das sind zwei unterchiedliche Paar Schuhe.

Die Orsons machen einfach das Lustigste was ich in meinem Leben an Hip Hop gehört habe (jaja, das ist noch nicht viel), aber gleichzeitig können sie so unheimlich ernste Lieder, aber auch solche Lieder bei denen ich bei 37 Grad die übelste Gänsehaut bei „Jetzt“ geschoben habe. Übrigens das Lied kannte ich dann sogar mal.

Um 22:20 war der Spuck vorbei und meine Liste mit Platten, welche ich mir nach dem Urlaub defintiv anschaffen muss, ist wieder einmal gewachsen. So schnell kann es gehen. Schicke Tanzmoves gab es übrigens noch gratis oben drauf. Das ist Liebe.

Bin glaube ich auch der einzige Mensch, der 20 Minuten ein Sonnenblumenblütenblatt umklammert hält um es wenig später in einem Buch zu trocknen, aber das besondere die Sonneblume hatte einen weiten Weg hinter sich. Von der Bühne zu einem Mädchen, welches die Blume an Nicole überreichte. Quasi auf dirktem Weg vom Kindergürtel Indiander zu uns.

Etwas das ich nebenbei auch gut kann: Musiker deren Namen ich nicht kenne mit neuen betiteln. Nicht das ich das nich auch bei Musikern mache deren Künstlernamen mir bekannt sind. Bei den Orsons übrigens wie folgt: Schönling 1 (Maeckes), Schönling 2 (Tua), Kindergürtel Indianer (Kaas) und der Kleine (Plan B).

Beim nächsten Mal hoffe ich daran zu denken eine Kamera einzupacken, damit ihr armen Menschen auch einmal was zum gucken bekommt.

Annika

Ps. Der Samstag kommt gesondert, das hier ist schon viel zu lang.